08.02.2021, von T. Krumbmüller, FGr Schwere Bergung

Absicherung eines einsturzgefährdeten Gebäudes

Es ist ein Einsatz, welcher eine lange Zeit in den Köpfen der vielen Helfenden bleiben wird. In Berlin-Köpenick wird am Sonntag, den 31.01.2021, die Feuerwehr von besorgten Anwohnern gerufen, welche deutliche Risse in den Mauern ihres Mehrfamilienhauses entdeckten. Es dauert nicht lange und das Technische Hilfswerk wird dazu alarmiert.

Bilder: Zimmerling, Winkler

Mit Baufachberatern machen sich die ersten ehrenamtlichen Helfer sofort auf den Weg in die Pohlestraße. Die Anwohner aus den umliegenden Gebäuden werden umgehend evakuiert, womit der Startschuss zu einem Großeinsatz gegeben wird. Der Fall beginnt öffentlichkeitswirksam zu werden.

Es wird schnell klar, dass das Haus einsturzgefährdet ist. Unklar ist nur, ob es noch weitere Gebäude sein könnten. Eine Baugrube ist mit Wasser vollgelaufen und scheint das Fundament des betroffenen Gebäudes in Bewegung gebracht zu haben. Es gilt also, das Gebäude schnellstmöglich vor dem Einsturz zu retten. Die Einsatzleitung entscheidet, die Bergungsgruppe mit der Kernkompetenz „Abstützsystem Holz“, kurz ASH, für die Abstützmaßnahmen einzusetzen. Durch die Größe des Gebäudes werden hohe Mengen Holz benötigt und somit zwei ASH-Gruppen aus Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf und aus Quedlinburg gerufen.

Zum Abladen des ASH wird schließlich die Fachgruppe Räumen des Ortsverbands Berlin Tempelhof-Schöneberg zum Einsatz gerufen, welche in den Mittagsstunden des Montags am Einsatzort eintrifft. Da die Lage vor Ort zunächst unübersichtlich ist, beginnt die Gruppe mit dem Einrichten eines Bereitstellungsraums für nachrückende Einheiten. Besonders die engen Straßen des Wohnviertels stellen eine Herausforderung im Einsatzgeschehen dar. Vor Ort sind zu jener Zeit schon der Katastrophenschutzbeauftragte des Bezirks, ASB, Feuerwehr, Polizei, DRK und weitere Einheiten des THW.

Das THW packt zügig bei einer Vielzahl von anstehenden Aufgaben zur Gefahrenabwehr an. Es geht um das Freipumpen der Baugrube, Fachberatung, Stabilisierungsarbeiten, Zugänge neben der Grube schaffen, Stützkonstruktionsbau, Abstützen, Bohren und Verankern im Mauerwerk, Lageerkundung per Drohne, Messen und Überwachen der Gebäudebewegungen, Führung und Koordination sowie um Informations- und Medienarbeit.

Ein wesentlicher Bestandteil der Gebäudeüberwachung ist durch das Einsatzsicherungssystem, kurz ESS, jederzeit gewährleistet. Mit Lasertechnologie behält das ESS das einsturzgefährdete sowie die umliegenden Gebäude im Auge. Im Falle nur geringster Bewegungen von Gebäudestrukturen schlägt das System sofort Alarm und der gesamte Gefahrenbereich wird geräumt. Zu diesem Szenario kam es jedoch durch die schnellen Absicherungsmaßnahmen nicht.

Ein Trupp Unbemannte Luftfahrtsysteme (UL) lieferte der Einsatzleitung mit einer Drohne jederzeit einen Überblick über die aktuelle Lage aus der Vogelperspektive (Facebook Link).

Zum Aufbau der großen Holzstützen werden zusätzliche Einheiten angefordert. So wird dann am Dienstag zusätzlich die Fachgruppe Schwere Bergung unseres OVs zur Ablösung hinzualarmiert. Die Aufgabe ist es, mit einem Kernbohrgerät die Löcher zur Befestigung des ASH an der Hauswand zu bohren. Außerdem muss die Gebäudedämmung entfernt werden, damit ein sicherer Halt der Holzstützen an der Wand und der Kraftfluss gewährleistet sind. Eine reibungslose Übergabe der Einsatzstelle war gesichert, insbesondere da die Helfenden der schon vor Ort tätigen Fachgruppe Schwere Bergung des Ortsverbands Berlin Friedrichshain-Kreuzberg aus mehreren Übungen bekannte Gesichter waren.

Eine weitere Herausforderung während des gesamten Einsatzes war sowohl der teils strömende Regen, als auch die Kälte. Zur Stärkung der Helfenden hat das DRK ein Verpflegungs- und ein Wärmezelt bereitgestellt. Hierzu ein Beitrag des rbb zur Arbeit des DRK. Auch die Anwohner leisteten ihren Beitrag zur Motivation und Stärkung der Helfenden, einerseits durch Kraftnahrung, anderseits durch ermutigende und dankende Worte.

Mit veränderter Wetterlage erfolgte am Donnerstag nach mehreren Schichtwechseln eine weitere Begutachtung der Einsatzstelle seitens des Bezirksamtes. Im Ergebnis dessen wurden neue Sicherungsmaßnahmen entschieden. Diese Maßnahmen sind jedoch nicht mehr der direkten Gefahrenabwehr und somit nicht dem Aufgabenspektrum des THW zuzuordnen. Auf Anforderung des Bezirksamtes verblieb der THW-Trupp ESS des OV Leipzig weiterhin an der Einsatzstelle. Der Leiter des THW Führungsstelle führte den THW-Landesbeauftragten Sebastian Gold über die schwierige Einsatzstelle, die das THW seit Sonntagabend beschäftigt hat. Seit Einsatzbeginn waren 312 THW-Kräfte aus 17 Ortsverbänden aus den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Sachsen zum Einsatz gekommen.

Text: T. Krumbmüller, FGr SB

 

Beteiligte OV:

-        OV Berlin Treptow-Köpenick

-        OV Berlin Lichtenberg

-        OV Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf

-        OV Berlin Marzahn-Hellersdorf

-        OV Quedlinburg

-        OV Berlin Tempelhof-Schöneberg

-        OV Berlin Friedrichshain-Kreuzberg

-        OV Berlin Reinickendorf

-        OV Berlin-Mitte

-        OV Berlin Steglitz-Zehlendorf

-        OV Berlin Neukölln

-        OV Fürstenwalde

-        OV Prenzlau

-        OV Halle (Saale)

-        OV Berlin Spandau

-        OV Cottbus

-        OV Leipzig


  • Bilder: Zimmerling, Winkler

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